Versorgt von den Nachbar-Apotheken

Rezeptsammelstelle in Forstinning

Ebersberger Zeitung, 17. März 2018

Die neue Rezeptsammelstelle in der Graf-Sempt-Straße in Forstinning: Vier Apotheken aus den Gemeinden rundum arbeiten hier seit Kurzem zusammen. FOTO: DZIEMBALLA

Seit Dezember hat Forstinning keine eigene Apotheke mehr. Die Kundenversorgung stellte seither ein lokal betriebener Versandhandel sicher. Nun ist das Ganze auf rechtlich andere Füße gestellt worden; in Form einer Rezeptsammelstelle. Ein hierzulande noch recht seltenes Konzept.

VON JÖRG DOMKE

Hohenlinden/Markt Schwaben/Anzing/Forstinning – Der Ärger bei den Forstinningern war groß, als Anfang Dezember vergangenen Jahres die St. Silvester Apotheke in der Dorfmitte schloss. Alle Bemühungen u.a. der Kommunalpolitik, möglichst übergangslos oder zumindest mit nur einer kurzen Zwischenphase eine Fortsetzung des Betriebes durch einen anderen Apotheker sicherzustellen, scheiterten bislang. Sozusagen eingesprungen waren zwei Apotheker aus Markt Schwaben bzw. Forstern (Shafie Rooshanie und Nosrat Kuhestani), die gemeinsam einen Versandhandel ins Leben riefen und mittels einiger Briefkästen täglich Rezepte Forstinninger Patienten einsammelten, um sie danach mit den entsprechenden Medikamenten zu versorgen.

Formell gibt es diese Vertriebsform nun auch nicht mehr. Nicht zuletzt auf Betreiben der Hohenlindener Apothekerin Katharina Rorer existiert aber, offiziell seit dem 1. März, nunmehr eine sogenannte Rezeptsammelstelle. Eine solche wird, so die junge Hohenlindener Apothekerin auf Nachfrage der EZ, nach strengen Vorgaben der Apothekenkammer betrieben. Juristisch steht der Medikamentenvertrieb in Forstinning damit auf anderen Füßen als in den Monaten zuvor, in der Praxis dürften und sollten die Kundinnen und Kunden in Forstinning einen Unterschied zu früher jedoch nicht merken. Betrieben werden darf sie nur so lange, bis in Forstinning eine neue Apotheke eröffnet.

Neu ist, dass sich nunmehr vier im nördlichen Landkreis bzw. in Forstern angesiedelte Apotheker abwechselnd die flächendeckende Versorgung teilen. Das Betreiben der Rezeptsammelstelle wurde, so Katharina Rorer, von der Bayerischen Landes-Apothekenkammer genehmigt und kollegial auf die umliegenden Apotheken verteilt, „sodass daraus nicht nur ein Vorteil für die Patienten, sondern auch kein wirtschaftlicher Nachteil für alle Beteiligten“ entstehe. Eine der strengen Bedingungen ist es, dass die Leerung des in diesen Tagen in der Graf-Sempt-Straße aufgestellten Sammelkastens (nahe der örtlichen Arztpraxis) an Werktagen mindestens zweimal pro Tag erfolgt und samstags einmal. Bedingung ist auch, dass montags bis freitags mindestens zweimal am Tag die bestellten Arzneien von Fachpersonal direkt angeliefert werden und das die dabei eingesetzten pharmazeutischen Kräfte das Maß an Dienstleistungen, sprich Beratung, sicherstellen können, die es auch bei einem ganz gewöhnlichen Besuch in eine Apotheke gibt.

Bei der Belieferung frei Haus entstehen den Kunden übrigens keine zusätzlichen Gebühren.

Formell hat die Forst-Apotheke Hohenlinden ab 1. März den Start gemacht und die Rezeptsammlung und Kundenbelieferung bis 30. November übernommen, danach folgt Bianca Klein aus Anzing für weitere neun Monate und später die Falken-Apotheke Markt Schwaben bzw. die Apotheke am Hirschbach aus Forstern.

Auf Nachfrage der EZ sagte Bürgermeister Rupert Ostermair gestern, die politische Gemeinde bemühe sich nach wie vor darum, dass es möglichst schnell wieder eine eigene Apotheke im Ort geben werde. Geplant ist daher ein Runder Tisch, an dem alle Beteiligten zusammenkommen, um gemeinsam an einer guten Lösung zu arbeiten.

Quelle: Ebersberger Zeitung, Wochenende 17./18. März 2018 | Nr. 64

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