Die Forst Apotheke in Hohenlinden

apotheke + marketing, 27. November 2017

Apothekerin Anja Offierowski (links neben Apothekenleiterin Katharina Rorer) verstärkt seit einem halben Jahr das Team der Forst Apotheke. © Gabi Kannamüller

Text: Gabi Kannamüller

In Hohenlinden haben derzeit viele einen Grund zum Feiern: die gut 3000 Einwohner des Ortes ebenso wie Katharina Rorer und ihr Team. Vor genau einem Jahr hat die junge Apothekerin die Forst Apotheke in der nordöstlich von München gelegenen Gemeinde übernommen. Den Bürgern blieb damit ihre Apotheke erhalten, Katharina Rorer wiederum hat sich den Traum von der Landapotheke erfüllt.

Alles ging ganz, ganz schnell: Auf der Expopharm im vergangenen Oktober in München hatte Katharina Rorer in einem Gespräch „bei Weißwürsten und Brezen“ zufällig davon erfahren, dass der Inhaber der Apotheke in Hohenlinden nach 32 Jahren in den Ruhestand geht und zwei Jahre vergeblich nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin suchte. Die Apotheke stehe vor der Schließung, die Mitarbeiter seien bereits gekündigt, erzählte der Gesprächspartner, ein Freund des Eigentümers.

Die Apothekerin zögerte nicht lange. Schon beim ersten Besuch in der Forst Apotheke „war es um mich geschehen“, erzählt sie strahlend, „ich war hier sofort zuhause“. Im November 2016 unterschrieb sie den Kaufvertrag, und nachdem alle weiteren Formalitäten geregelt waren, stand die Apotheke Anfang Dezember unter neuer Leitung. Das war auch der regionalen Presse einen Bericht wert. „Die Forst-Apotheke ist gerettet“, titelte die Süddeutsche Zeitung und zitierte den Alteigentümer mit den Worten „Es ist wie ein kleines Märchen“.

Der Kunde im Mittelpunkt

Warum ausgerechnet eine Landapotheke? Katharina Rorer lacht. Die Stadt, sagt sie, sei ihr zu unpersönlich: Der Kontakt zu den Kunden bleibe meist sehr anonym; oftmals fehle auch die Zeit für eine umfassende Beratung und es sei damit schwer, sich individuell auf die Anliegen der Menschen einzulassen. „Mein Traum war immer, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“ Dazu gehöre, sich ausreichend Zeit für die Beratung zu nehmen, auch wenn ein Kunde spontan kommt. Eine Einstellung, die die Kunden – nicht zuletzt auf dem Lande – durch besondere Treue honorieren.

Eine von vielen Aktionen war die Abgabe von Schultüten nach Ferienende. Natürlich fand sich das Logo der Apotheke auch auf der Einladung für die Schulanfänger. © Gabi Kannamüller

Die Apotheke setzt auf Struktur – und Technik: Nicht zuletzt das moderne Kassensystem stellt sicher, dass genügend Zeit für die ausführliche Beratung der Kundschaft bleibt. © Gabi Kannamüller

Viele junge Familien ziehen mittlerweile ins Münchner Umland. Entsprechend richtet sich die Apotheke auf die neue Zielgruppe der Kinder ein. © Gabi Kannamüller

Achtung Baustelle! Werden Ortsdurchfahrten saniert – und dafür gesperrt – trifft das auch die Apotheke. Dort wurde man selbst aktiv, um potenzielle Kunden auf die freie Zufahrt hinzuweisen. © Gabi Kannamüller

Von der City aufs bayerische Land

Als die Forst Apotheke in ihr Leben trat, war Katharina Rorer gerade mal zwei Monate Filialleiterin in einer Apotheke in Augsburg. Die Brücken dort abzubrechen bedeutete nicht nur eine berufliche, sondern auch private Entscheidung. Ihr Partner, so die Apothekerin, habe sie dabei sehr unterstützt – nicht zuletzt auch fachlich, da er selbst im kaufmännischen Bereich arbeitet. Auch ihre Tochter war bereit, von der schwäbischen Metropole ins Münchner Umland zu ziehen.

Arbeitsplätze-- Als größtes Problem zu Beginn zeigte sich die Wohnungssuche. Die Kunden dagegen waren von Anfang an begeistert darüber, dass die Apotheke weitergeführt wird. Und die Mitarbeiter vermutlich ebenfalls: Katharina Rorer hat drei der Angestellten übernommen – zwei PKA und eine PTA – eine junge PKA wollte sich ohnehin beruflich umorientieren, und ein Apotheker ging zu diesem Zeitpunkt in Rente. Dafür ergänzt inzwischen eine neue Apothekerin das Team.

Und dieses Team, das wird bei dem Besuch in Hohenlinden hautnah spürbar, steckt mitten drin im Ortsgeschehen. Gegen Mittag geben sich die Kunden die Klinke in die Hand, gegrüßt wird auf gut bayrisch und nicht selten werden Beratungsgespräche auch mit gestandenen Mannsbildern im vertrauten Duz-Ton geführt.

Was bleibt – was kommt

Vertraut ist den Menschen in Hohenlinden sicher auch die Offizin der Forst Apotheke selbst: Dort hat Katharina Rorer kaum etwas verändert, wie sie sagt, umgebaut wird vor allem im Backoffice und dies peu à peu. Nachdem der Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter umgestaltet wurde, soll nun das Labor einschließlich der Geräte folgen. Ein Beratungsraum schließt sich der Offizin bereits an.

Auf Struktur setzen

Strukturell weht bereits von Beginn an in der Apotheke ein frischer, moderner Wind. Denn: Die junge Apothekenleiterin sieht sich trotz ihres Bewusstseins, Heilberuflerin zu sein, auch als Unternehmerin. Und um unternehmerisch erfolgreich zu sein, ist es wichtig, perfekt organisiert in optimalen Strukturen zu arbeiten.

Gute Schule

Gelernt hat sie dies von der Pike auf. „Ich hatte einen sehr guten Ausbildungsbetrieb“, sagt Katharina Rorer. Der Chef war Apotheker in der dritten Generation, „er war sehr strukturiert, und ich habe viel von ihm gelernt“. Diese Struktur, so ihre Überzeugung, sei eine wesentliche Basis für das erfolgreiche Führen einer Landapotheke. Strukturen sorgen dafür, dass alles perfekt organisiert und optimal zu handhaben sei. Dies alles, und hier schließt sich der Kreis, komme letztlich den Kunden zugute.

Hochmodern-- Die Umstellung der Warenwirtschaft auf modernste Technik war hier nur konsequent. Soft- und Hardware wurden gleich zu Beginn auf den allerneuesten Stand gebracht. Getreu der Maxime: „Der Kunde im Mittelpunkt“ verschafft das neue Kassensystem die notwendige Zeit für die Beratung.

Marketing punktgenau

Zugleich spielte Marketing in der neuen Forst Apotheke von Anfang an eine wichtige Rolle. Und dies nicht von ungefähr: Die Zielgruppe der Apotheke liege derzeit primär bei Menschen im Alter von 65 plus; um gezielt auch eine neue, jüngere Kundschaft anzusprechen, gelte es, klare Signale zu setzen, so die Apothekerin.

Aktionen – in jeder ersten Woche im Monat

Klare Signale setzt die Forst Apotheke beispielsweise durch Aktionen – konsequent in jedem Monat eine. Vom Thema Mutter-Kind über Knochendichtemessung und das Anmessen von Kompressionsstrümpfen bis zu Themen rund um die Ernährung reicht dabei die Palette. Die Reaktion der Kundschaft zeigt, wie sehr sie dieses Angebot annimmt.

Neukunden-- Deshalb plant die Apothekerin bereits für die Zukunft vor. So ist sie im Kontakt mit dem sehr regen örtlichen Seniorentreff, um hier beispielsweise im Rahmen von Vorträgen zu kooperieren. Rorer will im kommenden Jahr ein Abnehmprogramm anbieten und zudem die Zielgruppe der jungen Familien stärker ansprechen: Der Kostendruck in der bayerischen Landeshauptstadt lässt gerade sie zunehmend ins Umland ausweichen.

Internet und regional passen zusammen

Dass Landapotheke und Digitalisierung sich nicht ausschließen, belegt zum einen das hochmoderne Warenwirtschaftssystem der Apotheke. Zum anderen: Auch das Internet ist in der Forst Apotheke längst Bestandteil der unternehmerischen Aktivitäten. Apothekenaktionen beispielsweise werden unter anderem per Facebook angekündigt.

Darüber hinaus bietet Katharina Rorer einen regionalen Webshop an – und betont dabei ausdrücklich den Begriff regional. Kunden können auf der Internetseite (auch rezeptpflichtige) Arzneimittel vorbestellen und die Waren abholen oder im Umkreis von 15 Kilometern per Botendienst liefern lassen. Ein Service, den gerade Ältere gerne nutzen.

Dienstleistung vor Ort einkaufen

Regional ist ein weiteres wichtiges Stichwort, wenn es um Dienstleistungen geht, die die Apotheke selbst in Anspruch nimmt – auch im Hinblick auf das Marketing. Werbemittel und das neue Logo beispielsweise hat eine ortsansässige Agentur entwickelt. „Forst Apotheke – ganz. schön. gesund“ prangt auf der Fassade sowie auf den Werbemitteln und ist auf der Website zu lesen. Das Logo komprimiert die Ansprüche der neuen Landapothekerin, Traditionen zu bewahren und zugleich die Themen Gesundheit und Prävention in den Vordergrund zu rücken.

Haltung-- Regional denkt die Apothekerin aber auch dann, wenn es beispielsweise um Umbauten in der Apotheke geht. „Es gibt immer Dienstleistung vor Ort“, betont Katharina Rorer. Und drückt damit eine Haltung aus, die neben ihrem Engagement als Apothekerin durchaus dazu beitragen dürfte, sich mit der Forst Apotheke noch erfolgreicher in der Gemeinde zu verankern.

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Quelle: https://www.apotheke-und-marketing.de/die-forst-apotheke-in-hohenlinden-2035086.html

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